Zur aktuellen Impfdiskussion

Gegen Viren muss man kĂ€mpfen – so das heutige Diktum. Jedoch sind Viren auch fĂŒr die Gesundheit aller Lebewesen wesentlich. Es geht also auch darum, sie zu verstehen und ein richtiges VerhĂ€ltnis mit ihnen zu finden, so Thomas Hardtmuth, freier Dozent und ehemaliger Oberarzt fĂŒr Chirurgie und Thoraxchirurgie am Klinikum Heidenheim.


Als wahr wird heute allgemein akzeptiert, was durch Wissenschaft objektiv bewiesen ist. Das stimmt oft, aber nicht immer. Wenn jemand hohen Blutdruck und erhöhte Cholesterinwerte hat und einen Schlaganfall bekommt, dann ist man geneigt zu sagen, das hohe Cholesterin und der erhöhte Blutdruck hĂ€tten zum Schlaganfall gefĂŒhrt; das bleibt eine wissenschaftliche Halbwahrheit, wenn ich nicht gleichzeitig sage, dass von 100 Menschen mit erhöhtem Blutdruck- und Cholesterinwerten 97 â€čkeinenâ€ș Schlaganfall bekommen. Was hat das mit Viren zu tun?

Grafik: Adrien Jutard

Wir wissen heute, dass die Viren die Ă€ltesten Gebilde in der belebten Natur ĂŒberhaupt sind. Alle Organismen dieser Welt sind mit unzĂ€hligen Viren besiedelt und diese haben in der Genregulation aller Lebewesen seit Beginn der Evolution eine entscheidende Rolle gespielt.[note] T. Hardtmuth, Die Rolle der Viren in Evolution und Medizin â€“ Versuch einer systemischen Perspektive. Jahrbuch fĂŒr Goetheanismus 2019, Tycho-Brahe-Verlag, Niefern-Öschelbronn, S. 125–182. [/note] Mittlerweile sind durch genomische Stammbaum-Analysen etwa 45 000 Retroviren und circa 1,5 Millionen Fragmente von viralen Genomsequenzen im menschlichen Erbgut identifiziert worden. Diese Gensequenzen haben in den allermeisten FĂ€llen keine Protein-codierende Funktion, sondern spielen bei der Transkription regulatorischer RNA eine wichtige Rolle. Was heißt das? Bei jeder Genablesung (Transkription) wird die dabei gebildete messenger-RNA (mRNA) in einem hochkomplexen Prozess â€“ wir sprechen von RNA-Prozessierung â€“ durch diese regulatorischen RNA-Elemente im Sinne einer Aktualisierung der genetischen Information so bearbeitet, dass die Gene entsprechend des situativen Kontexts, in dem sich der Organismus befindet, exprimiert werden. Einfach ausgedrĂŒckt, wenn ich einen Apfel esse, werden in meinem Verdauungsapparat andere genetische Muster exprimiert, als wenn ich eine Bratwurst zu mir nehme. Die viralen Genbestandteile sind also ĂŒber die regulatorische RNA entscheidend an den genetischen Steuerungsprozessen beteiligt.

Nun sind erst in den letzten Jahren Studien durchgefĂŒhrt worden, die sich mit der Frage beschĂ€ftigten, was eigentlich Viren bei â€čgesundenâ€ș Menschen machen. Überraschend zeigt sich dabei, dass auf der Haut und den SchleimhĂ€uten, in Lunge und Darm Millionen verschiedener Viren zu finden sind, darunter auch zahlreiche sogenannte Krankheitserreger. Über 70 Prozent waren dabei völlig neue, unbekannte Viren. Sogar im â€čBlutâ€ș von 8000 gesunden Blutspendern konnte das Erbgut von insgesamt 94 Virenarten nachgewiesen werden, wovon allein 19 dieser Arten bei 42 Prozent der Testpersonen vorkamen. Mit dabei: Pockenviren, Hepatitis-B- und -C Viren, Herpesviren, Papillomaviren, die mit GebĂ€rmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden, AIDS-Viren, Viren, die Gelbfieber und FrĂŒhsommer-HirnhautentzĂŒndung auslösen u. v. m.[note] A. Moustafa, C. Xie, E. Kirkness et al., The blood DNA virome in 8000 humans. Public Library of Science Pathogens 2017, 13 (3), e1006292. [/note]

Wie das Cholesterin im Blut so spielen offensichtlich auch Viren im Organismus von gesunden Menschen eine wichtige Rolle, was angesichts der langen gemeinsamen Evolutionsgeschichte von Mensch und Viren nicht ĂŒberrascht. Wir wissen auch, dass die Viren erst ab einer bestimmten Anzahl (Viruslast) ĂŒberhaupt eine Krankheitsrelevanz haben, dass ihr Vorkommen â€čin Maßenâ€ș also ganz normal ist. Daher auch die vielen falsch positiven Ergebnisse des Corona-PCR-Tests, denn dieser kann auch geringste, d. h. â€čphysiologischeâ€ș Virenmengen nachweisen.

Wir wissen, dass die Viren erst ab einer bestimmten Anzahl ĂŒberhaupt eine Krankheitsrelevanz haben, ihr Vorkommen â€čin Maßenâ€ș ist also ganz normal.

Die Viren in der Natur sind maßgeblich an der Regulation der Populationsdynamik der Mikroorganismen beteiligt, d. h., sie sorgen auch dafĂŒr, dass die etwa 50 Billionen Bakterien, mit denen der gesunde Mensch besiedelt ist, in einem ausgewogenen MengenverhĂ€ltnis zueinander stehen. Das sogenannte Mikrobiom, d. h. die Gesamtheit aller mit dem Menschen in Symbiose lebenden Mikroorganismen, wird heute als â€čOrganâ€ș des Menschen verstanden, weil es zahllose, essenziell wichtige Funktionen im Organismus erfĂŒllt, ohne die wir gar nicht leben könnten. Die Viren gehören zu diesem Mikrobiom dazu und werden entsprechend als Virom bezeichnet. Die Immun- und Homöostasefunktionen des gesunden Organismus zerstören diese Viren nicht, sondern sorgen fĂŒr die sehr individuell ausbalancierte Angemessenheit ihres Vorkommens.

Wenn wir das Cholesterin im Blut senken, mag das in vielen FĂ€llen Sinn machen und so manchen Schlaganfall verhindern helfen, wĂŒrden wir aber gegen Cholesterin impfen, d. h. den Körper dazu veranlassen, Antikörper gegen Cholesterin zu bilden, dann wĂŒrden wir das Leben des Patienten gefĂ€hrden, weil das Cholesterin fĂŒr die Gesundheit unverzichtbar ist. Beispielsweise wird eine ganze Reihe von Hormonen aus Cholesterin synthetisiert.

Bei den Viren ist die Impfung nun nicht so dramatisch, denn es gibt sehr viele verschiedene von ihnen. Dennoch können wir die Tatsache nicht lĂ€nger ignorieren, dass wir mit antiviralen Impfstoffen in gesunde Prozesse der mikrobiellen und genetischen Regulation eingreifen und damit das Risiko fĂŒr Autoimmunkrankheiten erhöhen.[note] Y. Segal, Y. Shoenfeld, Vaccine-induced autoimmunity: the role of molecular mimicry and immune crossreaction. Cellular & Molecular Immunology 2018, 15, S. 586–594. [/note] In den USA, wo immer schon eine großzĂŒgige Impfpolitik herrschte, haben bereits 15,9 Prozent der Bevölkerung (41 Millionen BĂŒrger) Antikörper gegen körpereigenes Genmaterial, sog. antinukleĂ€re Antikörper (ANA).[note] G. E. Dinse, C. G. Parks, C. R. Weinberg et al., Increasing Prevalence of Antinuclear Antibodies in the United States. Arthritis & Rheumatology 2020, 72, S. 1026–1035. [/note] Etwa 20 bis 30 Millionen Amerikaner leiden an einer oder mehreren Autoimmunerkrankungen (Diabetes Typ 1, Multiple Sklerose, Rheuma u. v. m.), mit seit Jahren steigender Tendenz. In Deutschland sind 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung betroffen, also weit ĂŒber 4 Millionen Menschen.

Eine verantwortungsvolle Wissenschaft muss auf diese ZusammenhÀnge hinweisen, sonst bleibt die AufklÀrung unvollstÀndig.

Hinweis: Die Einleitung wurde gegenĂŒber der Druckfassung leicht angepasst.

  1. Der Artikel zeigt sehr schön die ZusammenhĂ€nge, auch fĂŒr Nicht-Naturwissenschaftler. Allerdings fehlt mir der konkrete Bezug zur aktuellen Impf-Debatte, wie die Überschrift verspricht. Denn es findet ja eigentlich keine Debatte statt, sondern eine „Wettlauf“.

  2. Meiner Erkenntnis nach ist das Immunsystem ins Ungleichgewicht geraten, so daß ein Milieu geschaffen wurde, in dem bestimmte Keime vermehrt entstehen können. Krankheit ist ein Milieuproblem . Daraus folgen dann die entsprechenden TherapieansĂ€tze:1. Sanierung und Stabilisierung des Immunsystems und
    2. u.U. Impfung
    Ich bin ĂŒberzeugt, daß der Hauptpunkt die Gesundheit des Immunsystems und damit das Milieu ist. Alles was das Immunsystem aufbaut und stĂ€rkt, stabilisiert das Milieu,die Gesundheit und verhindert Krankheiten.

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