Wie Michael Kraft verleiht

Von der fast schwarzen Michael-Bronzeplastik von Oswald Dubach wird man angezogen durch die Neugier, die komplizierte Gestaltung zu durchschauen und kennenzulernen, und will sich ebenso unmittelbar abwenden von dem nicht einladenden Anblick der scheinbar wirr sich kreuzenden und ĂŒberschneidenden Formen. So bedarf es der bewussten AnnĂ€herung und eigenen Durchhaltens.


Oswald Dubach, â€čMichaelâ€ș, Bronzeplastik; Standort: Vor dem SĂŒdatelier im SĂŒdtreppenhaus (frĂŒher im Quergang, erster Stock)
Foto: Barbara Schnetzler

Einen Zugang eröffnen klar erkennbare Teile: Köpfe mit Gesichtern, Arme mit HĂ€nden und FlĂŒgel. Allen Teilen kann man auch Körper zuordnen, wenn auch deren gegenseitige Beziehungen nicht offenkundig sind. â€“ Ausgehend von dem nach unten gebeugten, nach unten blickenden Menschenkopf, zeigen sich die zugehörigen Schultern, Arme und HĂ€nde: Die Linke ist vor die Brust gelegt, mit einem markanten Winkel im Ellenbogen. Der rechte Arm mit seiner geraden Hand richtet sich gestreckt nach unten. Dort steht ihm ein Drachengesicht entgegen. Man ist an die Gestalt des Ahriman, wie ihn Rudolf Steiner gestaltet hat, erinnert. Der Mensch erblickt ihn und ist sich der Bedrohung bewusst, die von dieser Macht ausgeht. Das Drachenwesen versucht in die Höhe zu wirken, kommt aber nicht in Beziehung zum Menschen, da sein eigener Blick nicht den des Menschen treffen kann. Mit riesigen Klauen greift er nur sich selbst in starrer Verkrampfung. Über dem Menschen endet ein FlĂŒgel, ihn bedrĂ€ngend. Im spitzen Winkel dieses und des daran anschließenden FlĂŒgels erhebt sich ein mĂ€chtiges Haupt, aufrecht und in milder Strenge. Es schaut ĂŒber den Menschen hinweg. Unter seinem Gesichtsausdruck wandelt sich die zunĂ€chst beklemmende FlĂ€che ĂŒber dem Menschenhaupt und wird zur schĂŒtzenden GebĂ€rde.

Ein weiterer, alles ĂŒbersteigender FlĂŒgel scheint von oben Kraft hereinzuziehen und bis in den RĂŒcken des Menschen einzutauchen. Dieser Kraft antwortet eine dynamische Form aus des Menschen HĂŒftbereich.

WĂ€hrend der Betrachtung ordnen sich die Proportionen und Bewegungen. Der Mensch selbst erscheint klein zwischen den beiden Geistwesen. Die FlĂŒgelgestalt verwebt sich mit dem Umraum, durchkraftet die Umgebung. Sie schaut wie auf ein fernes Ziel, blickt ĂŒber das dramatische Geschehen unter ihr hinweg. Die Drachengestalt bildet einen festen Grund, auch fĂŒr den Menschen darĂŒber.

Dann versucht man im Nachklingen diese Figur zu erlauschen. Was am Anfang verwirrte, ist zur Gesamtgestalt geworden. Es ist nicht Ruhe, sondern Gegenwartskraft im eigenen Bewusstsein, mit der man von diesem Werk entlassen wird.

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