Was meine ich mit Krieg?

Wir wollen hier nicht erst in eine schwerfÀllige publizistische Definition des Krieges hineinsteigen, sondern uns an das Element desselben halten, an den Zweikampf. Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf.


Wollen wir uns die Unzahl der einzelnen ZweikĂ€mpfe, aus denen er besteht, als Einheit denken, so tun wir besser, uns zwei Ringende vorzustellen. Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur ErfĂŒllung seines Willens zu zwingen; sein nĂ€chster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfĂ€hig zu machen. Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur ErfĂŒllung unseres Willens zu zwingen. Die Gewalt rĂŒstet sich mit den Erfindungen der KĂŒnste und Wissenschaften aus, um der Gewalt zu begegnen. Gewalt, d. h. die physische Gewalt, ist also das Mittel, dem Feinde unseren Willen aufzudringen, der Zweck. Um diesen Zweck sicher zu erreichen, mĂŒssen wir den Feind wehrlos machen, und dies ist dem Begriff nach das eigentliche Ziel der kriegerischen Handlung. Es vertritt den Zweck und verdrĂ€ngt ihn gewissermaßen als etwas nicht zum Kriege selbst Gehöriges.


Aus Carl von Clausewitz (1780–1831): â€čVom Kriegeâ€ș Lovech 2020

Bild Sofia Lismont

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