In der Krise gesund bleiben

Im November beschrieb Peter Selg an der wöchentlichen Versammlung der Mitarbeitenden, welche drei Schritte helfen, in einer Krise bestehen zu können und aus ihr gesund herauszukommen. Am Anfang stehe die Erfahrung, dass der vertraute Weltzusammenhang, die Kohärenz, zerbricht.


Bild: Gilda Bartel, 2021

Der jüdische Soziologe Aaron Antonovsky sei bei einer Untersuchung in den 70er-Jahren erstaunt gewesen, wie viele Häftlinge nach ihrer Gefangenschaft in Konzentrationslagern doch gesund geblieben seien. Er stellte fest, dass es in einer solchen Zeit, in der alles zerreißt und man deshalb das Selbst- und Weltverhältnis neu bilden muss, auf drei Punkte ankomme. Aus dem gewohnten Lebensgang gerate man mit einem Mal in eine chaotische Lage. Zuerst müsse man jetzt verstehen, was da in das Leben hereinbricht. In dem Maße, in dem man verstehe, was da geschehe, ist man nicht mehr so ausgeliefert. So sei es auch in der Pandemie, dass man die täglichen Zahlen und Nachrichten kaum überschauen könne und deshalb sich ausgeliefert fühle. Gesund erhält, wenn man versteht, wie die Pandemie zustande gekommen ist und warum sie einen persönlich treffen kann. Diese ‹Ursachenforschung› stärkt, denn man lernt bewerten, was an Informationen auf einen einprasselt. Man lerne schwierige Situationen aus anderen Perspektiven sehen und mit Humor nehmen zu können. Der zweite Schritt, so Selg, ist nun, in sich die Kräfte zu entdecken, mit denen man auf die Störung zu antworten vermag. Antworten und das Wissen, antworten zu können, stärken ebenfalls den Organismus, denn als Mensch sind wir das antwortende Wesen. Der dritte Punkt betrifft die Einsicht in den Sinn, die tiefere Bedeutung der Krise. Peter Selg fasste es zusammen: Gesund mache, wenn man die Krise verstehe, sie beantworten könne und als der Mühe wert empfinde.

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