Ich glaube noch an die Menschheit

Maryna wohnt in Frankreich und erzÀhlte, wie ihre Eltern heute in der Nordukraine im Krieg leben.


«Meine Eltern glaubten bis zum Ende nicht daran. Sie wohnen an der nördlichen Grenze mit Russland und hatten Berichte erster Hand von massierten russischen Truppen an der Grenze gehört. Doch sie hatten Vertrauen, dass man einen Krieg nicht anfangen wĂŒrde. Sogar nach Beginn des Angriffs wollten sie immer noch nicht daran glauben. Denn wie könnte es sein, dass Russland wirklich militĂ€risch eingreift?», erzĂ€hlt sie.

«Die Ukraine ist ein Land, in dem die Menschen wenig Geld haben. Heute werden die Löhne nicht mehr gezahlt. Die GeschĂ€fte sind leer, ebenso die Apotheken. Die Menschen schlafen und leben zum Teil wegen Bombenangriffen im Keller â€“ manche haben keinen Vorrat an Essen. Es ist gefĂ€hrlich, sich außerhalb des Dorfes zu bewegen. Die Landstraßen sind vermint worden, die BrĂŒcken zerstört, um den Vormarsch des Feindes zu stoppen.» Nachdem der erste Schock ĂŒberwunden war, begann sich jedoch eine große SolidaritĂ€t in Gang zu setzen. «Landwirte verteilen Milch und Brot. Einige Leute nehmen Familien in sicheren Regionen des Landes auf. Die Frauen haben sich organisiert, um Fleischkonserven vorzubereiten und sie den Soldaten an die Front zu schicken.»

Bild: Die Eltern von Maryna vor einem traditionellen ukrainischen Haus

Ermutigend ist auch die große internationale SolidaritĂ€t. «Viele haben sich mobilisiert, das ist beeindruckend. Die Ukraine ist nicht allein. Das gibt den Ukrainerinnen und Ukrainern, die vor Ort sind, viel Kraft.» An die Zukunft zu denken, getraut sie sich jedoch kaum. «Wie kann man einen anderen Menschen töten wollen? Das ist doch nicht möglich. Ich bete vor allem, dass die Menschen aufwachen. Das Ganze ist eine große PrĂŒfung. Und doch glaube ich noch an die Menschheit.»

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