Gemeinsam im Raum

«Wir wollen das Eurythmische im Gespräch bewegen», so eröffnete Nico Prestifilippo den ersten Abend der Reihe ‹Eurythmie im Gespräch›, die seit September das Goetheanum Eurythmie Ensemble und die Wochenschrift veranstalten.


Hintergrund waren die Erfahrungen der ‹Faust›-Inszenierung, in der beide Bühnenkünste sich enger verflochten haben und dadurch neue Fragen entstanden, die jetzt, mit den Gästen Elsemarie ten-Brink und Georg Darvas besprochen wurden. Erstere ist Eurythmistin und Eurythmieausbilderin, Letzterer Theatermacher, Schauspieler und Eurythmist.

Wie kann die Regie beide Künste ergreifen? Aus welchen Quellen schöpfen beide Künste? Welche Fähigkeiten sind notwendig, wenn beide Künste zusammenkommen wollen? Wie kommunizieren die Künste miteinander? Wie wird Eurythmie dramatisch? Solche und ähnliche Fragen zeigten, wie viel es hier zu besprechen gibt.

«Wenn ein Mensch sein seelisches Leben körperlich zum Ausdruck bringen möchte, dann ist es Schauspiel.» So skizziert Georg Darvas das dramatische Prinzip in Anlehnung an Rudolf Steiner. Eurythmie versuche dabei, Bewegungen sichtbar zu machen, die eigentlich der Ätherleib vollführe. Dadurch werde das Seelische auf neue Art sichtbar. Elsmarie ten Brink ergänzt, dass man als Eurythmistin nicht das Ätherische zeigen wolle, sondern der physische Leib wird im Umgang mit dem Ätherischen zu einem neuen Instrument. Damit könne man dann ‹singen›. Um nun Eurythmie und Schauspiel zusammenzuführen, brauche es viel Zeit. Hier sei ihre Erfahrung oft frustrierend gewesen, weil dazu zu forschen der Wille meistens gefehlt habe. Sie habe sich gefragt, warum Gruppenformen beispielsweise im ‹Faust› von 2019 oft langweilig wirkten, während solistische Darstellungen sehr überzeugend seien. Die Antwort liege für sie in der Bereitschaft, sich gegenseitig ernst zu nehmen und in einem gemeinsamen Raum zu proben. Rafael Tavares, eurythmischer Darsteller des Mephisto, betonte, dass er am Anfang die Beziehung zum Schauspieler oder zur Schauspielerin bzw. zum Sprecher oder der Sprecherin aufbaue und seine eurythmische Bewegungsform erst zweitrangig sei. Dann zähle die körperliche Intuition und die Beobachtung, nach was der Raum jetzt frage. Natürlich zähle am Anfang, wie die Regie eine Szene wolle. Bei der Aufführung spüre er dann, was der Spieler fühlt, auf diesen Bezug käme es ihm an. Georg Darvas setzte das Theater vom Film ab: Vor der Kamera muss die Figur schon feststehen, weil man nicht chronologisch filme. Im Theater könne sich eine Figur dafür organisch entwickeln. Dazu brauche es Geduld und die Bereitschaft, zu verwerfen. Für einen solchen forschenden Spirit sei das Goetheanum der richtige Ort.


Foto: Sofia Lismont

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