Geistiges Impfen

Die Geschichte stammt von Paul Watzlawik und ließ das Buch, in dem er die Begebenheit ausfĂŒhrt, zum Bestseller werden: Ein Mann will ein Bild aufhĂ€ngen, aber der Hammer ist weg.


Marie Boiseaubert â€čAlgen und Flechtenâ€ș, Tusche auf Papier, Skizzenbuch, 2015

Also geht er zum Nachbarn, um ihn nach dem Werkzeug zu fragen. Doch wie, so denkt er bei sich, wenn der mir seinem Hammer gar nicht rausrĂŒckt, mich mit AusflĂŒchten abspeist oder nicht einmal die TĂŒre öffnet? Der Mann ohne Hammer bereitet sich auf mögliche unangenehme Reaktionen vor. Er â€čimpftâ€ș sich, um fĂŒr den Fall einer Attacke vorbereitet zu sein. Bis er Schritte hört, dauert es und so hat der Mann vor der TĂŒre alle Zeit, sich seelisch breit zu impfen, um vor nichts und niemandem ĂŒberrascht zu sein. Da geht die TĂŒre auf, ein fragender Blick, dem der Bittsteller entgegenwirft: «Behalten Sie Ihren blöden Hammer!»

Was ist passiert? Der so ĂŒbermĂ€ĂŸig auf alle Gemeinheiten Trainierte ist fĂŒr das, was wirklich geschieht, blind und schlĂ€gt um sich. Auch hier eine Frage der individuellen Impfentscheidung: Es lohnt sich fĂŒr Diskussionen und noch mehr fĂŒr Verhandlungen, die Pfeile, die ein GegenĂŒber im Köcher hat, zu kennen und parieren zu können. Klug, wer hier vorbereitet ist, sich geistig geimpft hat. Genauso lohnt es sich, so offen, so verletzlich zu sein, wie es der eigene Mut erlaubt, wenn man um einen Hammer, einen Rat oder etwas Liebe bittet.


Aus: Paul Watzlawik, Anleitung zum UnglĂŒcklichsein, MĂŒnchen 2012.

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