Gedanken zu einer rationalen Pandemiepolitik

Der anthroposophische Arzt Christoph Bernhardt hat sich auf dem Blog der Akanthos-Akademie gegen eine Impfpflicht und für einen Strategiewechsel in der Pandemiepolitik ausgesprochen.


Der Sturm zieht schon lange auf, aber nun schlagen die Wellen höher und höher. Manch Umgeimpfter kommt sich wie bei einer Hexenjagd vor. Manch Geimpfter fühlt sich in seinem solidarischen Streben nicht gewertschätzt. Fragen tauchen an allen Ecken und Enden auf, Antworten sind nicht leicht zu geben. Die Presse scheint an manchen Stellen ihren Ehrenkodex der wahrheitsgetreuen Berichterstattung aufgegeben zu haben. Zum Beispiel, wenn berichtet wird, dass in einem Altersheim sechs Menschen an und mit Corona verstorben sind, und der Nachsatz damit endet, dass die Hälfte des Pflegepersonals ungeimpft ist. Mittlerweile wissen alle, dass auch das geimpfte Pflegepersonal übertragen kann. Christoph Bernhardt führt Daten und Zahlen aus internationalen Studien auf, die die Handhabung des Virus in seiner derzeitigen Delta-Variante, auch die 2G-Regel, als irrational erscheinen lassen. Einer Impfpflicht für Pflegepersonal hält er entgegen: «Sachlich richtig wäre statt einer Impfpflicht, die zum Erreichen des Ansteckungsschutzes der Patienten nicht geeignet ist, eine regelmäßige Testpflicht (bei hoher Inzidenz ggf. auch täglich).» 1G (Testen für alle) wäre am effizientesten in der kommenden Wintersaison, was bereits von verschiedenen Virologen mehrfach angemerkt wurde. «Schon jetzt sind in der Gruppe der Ü60-Jährigen über 60 Prozent der Neuinfektionen und 44,9 Prozent der Hospitalisierten doppelt geimpft, Tendenz steigend (siehe RKI-Wochenbericht).» Das Risiko, auf Intensivstation zu landen, ist bei einem geimpften 70-Jährigen höher als bei einem ungeimpften 20-Jährigen. Dass der Schutz der Impfungen allgemein nach etwa vier Monaten nachlässt, wissen wir.

Wie schneidert man ein sinnvolles Maßnahmenkonzept für die kommende Saison? Bernhardt würde empfehlen: «Eine rationale Pandemiepolitik müsste sich nicht nur am Prinzip der Verhältnismäßigkeit orientieren, sondern sich auch um einen ausgleichenden Kompromiss zwischen Freiheit und Sicherheit bemühen. 1G (Tests für alle) in bestimmten sensiblen Bereichen wäre in dieser Hinsicht ein kluger Kompromiss. […] Impfung wäre dann ein freiwilliger Akt zum Eigenschutz vor schweren Verläufen und das wesentlich mildere Mittel der Tests der verpflichtende solidarische Beitrag aller zur Kontrolle der Pandemie in Zeiten hoher Inzidenzen. Gleichzeitig wäre 1G ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der Spaltungstendenzen der jetzigen Politik.»


Mehr Grundsätze einer rationalen Pandemiepolitik, Akanthos Akademie, 21. November 2021, Web: Akanthos Akademie

Foto: Unsplash

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