Einen Tempel bauen

«Liefern Sie die Steine, den Tempel baut der Zuschauer, die Zuschauerin!», sagt der Drehbuchautor und Filmemacher Wolf Otto Pfeiffer.


Mit ursprĂŒnglichen, alten Formen im Gehirn wĂŒrden wir die Bilder, Einstellungen und Szenenwechsel dann zu einer Geschichte fĂŒgen. Deshalb, so Pfeiffer weiter, dĂŒrfe man die schöpferische Leistung des Zuschauenden, auch wenn sie mit basalen Gehirnfunktionen geleistet werde, nicht geringschĂ€tzen. Damit antwortet er auf das Argument von Medienkritikern, dass sich beim TV-Konsum im Gehirn die fĂŒr das Traumbewusstsein verantwortlichen Alpha-Wellen feststellen lassen. Man trĂ€umt beim Filmkonsum – und dennoch: ZĂ€hlt auf dem GemĂ€lde das Nebeneinander der Formen und Farben, ĂŒber die das Auge wandert und so ein Ganzes schafft, so ist es im Film der Schnitt der Szenen im Nacheinander. Damit aus diesen Steinen ein Tempel wird, so lehrt die Filmdramaturgie, muss jede Szene in sich eine Entwicklung haben, muss, wie es Aristoteles in seiner Poetik beschreibt, einen Anfang, eine Mitte und ein Ende besitzen. Das klingt schlicht und ist doch so schwer. Im neuen Film ĂŒber Anthroposophische Medizin beginnt es szenisch mit einer Orchesterprobe und endet mit Giovanni Maio, der Worte, Begriffe und Bilder sucht, um das Geheimnis des Organismus, des Zusammenspiels aus Hunderten Stimmen zu fassen – in der Mitte sind dann Ärztinnen und Pflegende, Pharmazeuten und Therapeutinnen unterwegs in der Sorge um dieses Konzert des Lebens.


Titelbild: Still aus dem Film â€čDie Kunst des Heilensâ€ș.

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