Einander Eltern sein

Es ist das Grundwerk der WaldorfpĂ€dagogik und heißt â€čMenschenkundeâ€ș nicht â€čKinderkundeâ€ș. Denn das Menschliche, das sich entwickeln und werden will, steht im Fokus. Dabei gilt die WĂŒrde dieses Menschlichen des Kindes als unantastbar. Alles PĂ€dagogische, auch wenn wir es erst mal im Sinne des Erziehens und Unterrichtens denken, erscheint im diesem Licht wie das Urbild unseres menschlichen Miteinanders und Zueinanders selbst.


In jeder Beziehung haben wir es mit Gewordenen und Werdenden in uns und dem anderen zu tun, zwischen denen wir wie die PĂ€dagogen vermitteln mĂŒssen. In jedem Menschen, nicht nur im Kind, lebt ein Stern, der gesehen werden will und Hilfe braucht, wenn seine Strahlen etwas verdunkelt sind. In jeder Begegnung braucht es ein warmes Zugewandtsein, ein Interesse fĂŒreinander. Klingt es da merkwĂŒrdig, wenn wir fĂŒreinander wie Eltern wĂ€ren? Eltern als Urbild fĂŒr die HĂŒlle, den Zuspruch, das Zuhören, welche wir brauchen, egal, wie alt wir sind. Eltern sein ist das Urbild des Ermöglichens von Zukunft.

Nur vorgestellt, könnte es komisch wirken, wenn ich meinem Partner gegenĂŒber eine solche Haltung annehme, denn ich will ja nicht, dass er in mir seine Mutter findet. Aber das Urbild fĂŒhlend, ist es eine gute Geste, jemandem gegenĂŒber wie ein â€čElterâ€ș zu sein â€“ die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, was der andere gerade braucht. Das deutsche Wort â€čElternâ€ș kommt aus dem Indogermanischen und bedeutet â€čwachsenâ€ș und â€čnĂ€hrenâ€ș.

Menschenkinder sind wir, bleiben wir und wollen wir immer wieder werden. Deshalb brauchen wir uns auch als Eltern. Selbst die Erde, unsere große Mutter, tut das.


Illustrationen in dieser Ausgabe von Ella Lapointe

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