exc-5c51d7772b6a28910e7c3fc6

Ein gemeinsamer Boden

Vom 6. bis 9. Februar treffen sich 700 in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und der Biobranche Arbeitende und Interessierte zur Jahrestagung der Sektion fĂŒr Landwirtschaft. Zum 100. Geburtstag von Rudolf Steiners Dreigliederungsgedanken ist sein â€čassoziatives Wirtschaftenâ€ș das Thema.


Der â€čLandwirtschaftliche Kursâ€ș und der â€čNationalökonomische Kursâ€ș von Rudolf Steiner sind so etwas wie Geschwisterkurse mit der Anthroposophie als gemeinsamer Elternschaft. So wie der Stickstoff in der modernen Landwirtschaft eine Kernfrage darstellt und der â€čLandwirtschaftliche Kursâ€ș eine neue Sicht auf den Stickstoff als den EmpfindungstrĂ€ger und den Stoff, den man sich selber erzeugen kann ermöglicht, stellt der Preis die Kardinalfrage des Wirtschaftslebens dar. Er wird im â€čNationalökonomischen Kursâ€ș als ökonomische Temperatur geschildert und soll situativ erzeugt werden. Der landwirtschaftliche Organismus leistet mehr als die Addition der Einzelteile, es entsteht eine Produktivkraft auf höherer Ebene. Entsprechend leistet die Assoziation mehr als die Einzelunternehmen, es entsteht eine wirtschaftliche Tragekraft. FĂŒr beide ist der Kreis ein Ausdruck. Den â€čNationalökonomischen Kursâ€ș (GA 340) hielt Rudolf Steiner im Sommer 1922 in Dornach fĂŒr Studierende der Nationalökonomie. In 14 kurzen VortrĂ€gen beschreibt er den volkswirtschaftlichen Prozess der komplexen arbeitsteiligen Wirtschaftswelt und zeigt, wie vorhandene Fehlentwicklungen korrigiert werden können. Dabei geht es einerseits um das volkswirtschaftliche Kerngeschehen, fĂŒr das er das Prinzip der Assoziation vorschlĂ€gt: Auf den Ebenen lokal, regional, national und weltweit sollen in freien assoziativen Vertragsgemeinschaften die Konsumtion, die Verteilung und die Produktion der Wirtschaftswaren beobachtet und geregelt werden. Die Kardinalfrage ist der Preis, in ihm spiegeln sich die EinflĂŒsse des wirtschaftlichen Prozesses. Andererseits geht es um die Gestaltung der RĂ€nder des Wirtschaftsgeschehens: der Natur, wo die Kapitalisierung von Grund und Boden wirtschaftlich krank machend wirkt, und des Geistes, der sich im Kapital kondensiert, welches gern usurpierend in die Wirtschaft zurĂŒckwirkt. Seine Gedanken zur Wirtschaft veröffentlichte Rudolf Steiner schon im Jahr 1919 im Zusammenhang mit der Dreigliederungsbewegung: Zwischen dem Kriegsende am 11. November 1918 und der Unterzeichnung des Friedensvertrages in Versailles am 28. Juni 1919 gab es ein historisches Fenster, wĂ€hrend dessen in Deutschland um eine neue Sozialordnung gerungen wurde. An diesem Ringen hat Rudolf Steiner und mit ihm ein Kreis von Menschen in Stuttgart teilgenommen. Seine Frage nach einer Sozialgestaltung fĂŒr den modernen individualistischen Menschen fĂŒhrte ihn dazu, dass seine kulturellen, rechtlichen und wirtschaftlichen AnsprĂŒche in einem je autonomen Kulturleben, Rechtsleben und Wirtschaftsleben sozial geregelt werden mĂŒssen. Die GrundzĂŒge dieser Dreigliederung hat er in dem Buch â€čDie Kernpunkte der sozialen Frageâ€ș 1919 (GA 23) veröffentlicht.

Der Kern des assoziativen Wirtschaftens

Die wirtschaftlich tĂ€tigen Unternehmungen nehmen ihre wirtschaftlichen Beziehungen untereinander bewusst und willentlich in die Hand: Sie bilden Assoziationen. Es gibt dabei kein fixes Modell fĂŒr Assoziationen. Diese können sehr unterschiedlich sein: klein um einen Hof oder groß fĂŒr die ganze Branche; auf ein Produkt bezogen oder auf die gesamte WirtschaftstĂ€tigkeit; es kann um die Warenzirkulation gehen oder um die Kreditvergabe. In jedem Fall meint Assoziieren, sich verbindlich in die Assoziationsgemeinschaft einzubringen, ohne die EigenstĂ€ndigkeit aufzugeben. Damit steht Assoziieren in der Mitte zwischen Kollektivieren und Anonymisieren. Ein Kollektivieren ist es nicht, das Einzelunternehmertum bleibt bestehen, denn die unternehmerische Leistung hat ihren Quellpunkt in der geistigen Produktivkraft der Unternehmenspersönlichkeit. WĂŒrgt man diese Kraft ab, wird das Wirtschaftsleben gelĂ€hmt. Die sozialistischen Staaten des ehemaligen Ostblocks haben diesen Tatbeweis erbracht. Auf der anderen Seite wird das Wirtschaftsgeschehen nicht den anonymen KrĂ€ften, die auf diesem Gebiet auftreten, ĂŒberlassen. Die unsichtbare Hand von Adam Smith, die aus der Summe aller Egoismen die allgemeine Wohlfahrt hervorzaubern soll, ist eine Illusion, denn die Konkurrenzwirtschaft fĂŒhrt in den sozialen und ökologischen Ruin. Das Assoziieren ist nicht ein Kompromiss aus Marktwirtschaft und Planwirtschaft, sondern es beobachtet und gestaltet den wirtschaftlichen Prozess jenseits von Markt und Staat. In der Assoziation werden die IndividualkrĂ€fte nicht unterdrĂŒckt, Innovation in der Einrichtung der Produktion ist genauso willkommen wie die Wahlfreiheit im Verbrauch. Aber diese individuellen Freiheiten, die in der Wirtschaft, wo es um die Verteilung der irdischen Ressourcen geht, oft und gern als Egoismen auftreten, werden mit den AnsprĂŒchen oder Egoismen der anderen konfrontiert. Daraus ergibt sich ein «objektiver Gemeinsinn», wie es Rudolf Steiner nennt. «Objektiv» heißt hier sachgemĂ€ĂŸ. Diese Sache, z. B. die Erzeugung, Verarbeitung, Verteilung und der Verzehr von Lebensmitteln in einer Region, stellt sich in der Assoziation so dar, dass jede und jeder sieht, was der eigene Beitrag ist und was die BeitrĂ€ge der anderen sind.

Wie bilde ich eine Assoziation?

Dabei geht es nicht um die â€čAnwendungâ€ș von Ideen, sondern darum, in die Idee handelnd einzusteigen. Nur die existenzielle Erfahrung bringt mich weiter. Das heißt: Es gibt keine Assoziation, ohne dass ich sie hervorbringe. Wir sind hier wie bei vielen sozialen PhĂ€nomenen in der Situation: Sie existiert nicht per se, sondern mein Mittun bringt sie erst zur Existenz.

data-animation-override>
Das Assoziieren ist nicht ein Kompromiss aus Marktwirtschaft und Planwirtschaft, sondern es beobachtet und gestaltet den wirtschaftlichen Prozess jenseits von Markt und Staat. In der Assoziation werden die IndividualkrĂ€fte nicht unterdrĂŒckt, Innovation in der Einrichtung der Produktion ist genauso willkommen wie die Wahl­freiheit im Verbrauch.

Die Assoziation bilde ich, indem ich meine Wirtschaftspartner an einen runden Tisch einlade. An diesem Tisch ist das erste Ziel, die wirtschaftlichen VorgĂ€nge, die uns verbinden, gemeinsam in den Blick zu nehmen. Der zweite Schritt ist eine Beurteilung der Lage â€“ gibt es zu viel oder zu wenig Ware? Wie ist der Preis? Wie wird sich die Nachfrage entwickeln? Der dritte Schritt ist die VerĂ€nderung, die Gestaltung der wirtschaftlichen Parameter (QualitĂ€t, Menge, Preis), dabei handelt jeder Beteiligte in eigener Kompetenz, aber auf der Grundlage des gemeinsamen Bildes und der gemeinsam beurteilten Lage.

Wie man sieht, werden in der Assoziation die gleichen Regelprozesse im Wirtschaftlichen vollzogen wie auch anderswo. Der Unterschied ist, dass sie nicht anonym oder halb versteckt ablaufen, sondern willentlich und transparent.

Drei Beispiele sollen dies veranschaulichen:

1. CSA oder Solidarische Landwirtschaft

Ein Kreis von Menschen schließt sich mit einem Hof zusammen und bildet eine Solidargemeinschaft. Der Hof produziert nach erfolgter Planung fĂŒr den Bedarf des Kreises â€“ in der Regel GemĂŒse â€“ und der Kreis bestreitet im Voraus und unabhĂ€ngig von dem Ertrag die Ausgaben (Löhne, Saatgut, Verteilkosten usw.), die mit dieser Produktion einhergehen. Wir haben hier eine lokale Assoziation, wo Bedarf und Produktion aufeinander abgestimmt sind und wo der Preis nicht ĂŒber die Ware, sondern ĂŒber einen Anteil am Ertrag bzw. an den Kosten ablĂ€uft. Das Risiko eines Ertragsausfalles, aber auch die Chance eines sehr guten Ertrages sind gemeinschaftlich geteilt.

2. Regionale Vernetzung und Koordination

Am Beispiel der Region Schweiz kann das Funktionieren von assoziiertem Arbeiten gut studiert werden. Der Bio- und der Demeter-Markt, zum Beispiel, funktionieren fast modellhaft nach assoziativen Prinzipien, indem pro Produktekategorie runde Tische stattfinden. Diese erheben den Bedarf, planen die Produktion und geben ein Preisband an, zum Teil werden auch Lenkungsmaßnahmen beschlossen etc. Da sitzen Vertreter von Migros und Coop, lokale Verarbeitungspartner und eine ReprĂ€sentanz von eigenstĂ€ndigen Bauern und BĂ€uerinnen am selben Tisch. Diese runden Tische werden von Bio-Suisse und Demeter moderiert.

3. Saatgut

Jeder Landwirt und jede GĂ€rtnerin braucht Saatgut. Die Saatgutbranche hat sich in den letzten 25 Jahren von einem regionalen und halbstaatlichen Gewerbe zu einer Weltindustrie entwickelt. Wollen wir auf diesem Feld etwas bieten, mĂŒssen wir aus den UnterstĂŒtzer-Kreisen der Pionierpersönlichkeiten der biodynamischen ZĂŒchtung eine mindestens europĂ€ische Assoziation fĂŒr biodynamische ZĂŒchtung und biologisches Saatgut bilden. Die Grundidee, die im Rahmen der Studie â€čSaatgut als Gemeingutâ€ș (1) erstmals vorgestellt wurde, ist folgende: Auf den ganzen Food-Umsatz der Biobranche wird am Verkaufspunkt ein Promille Abgabe erhoben, um die ZĂŒchtung zu finanzieren.

Assoziatives Wirtschaften zu verstehen ist das eine, es zu tun das andere. Was steht in den nÀchsten Jahren an?

 


Bild: Nina Gautier

Bild: Nina Gautier

 

1. Assoziationen in der Wertschöpfungskette

Alle Menschen essen jeden Tag. Entsprechend gibt es einen Produktstrom, der auf den Teller fĂŒhrt. Diese Produkte kommen ursprĂŒnglich alle aus der Landwirtschaft. Da Anfang und Ende der Wertschöpfungskette bekannt und prĂ€sent sind, bietet es sich gerade in der Nahrungsmittelbranche an, assoziativ zu wirtschaften. Die Kette â€“ Produktion, Verarbeitung, Großhandel, Einzelhandel, Konsum â€“ soll zu einem Kreis, zu einem runden Tisch gebogen werden. Es passiert dasselbe wie vorher, aber jetzt sieht jede und jeder die anderen, kann die eigene Art, in der Wirtschaft zu stehen, mit der Zeit mit einer gewissen ObjektivitĂ€t sehen und verstehen. So stellt sich zum partikularen Egoismus der Gemeinsinn hinzu. Gelingt es, solche Assoziationen zu bilden, kleine, mittlere oder große, können diese eine sehr starke Tragkraft entwickeln. Nicht immer ist es möglich, schnell eine formale Assoziation zu grĂŒnden, aber das Prinzip des Assoziativen kann in jede wirtschaftliche Beziehung hineingetragen werden. Die drohende Konventionalisierung der Biobranche fordert und fördert, dass viele assoziative Prototypen entstehen. Die Konkurrenz ĂŒber den Preis und das Diktat des StĂ€rkeren können nicht mit moralischen Appellen beseitigt werden, sondern mit mutigem, beherztem Handeln. Dieses assoziative Handeln im Sinne eines Interessenausgleiches aller Beteiligten ist die mögliche praktische Antwort auf das HineindrĂŒcken der konventionellen MarktmĂ€chte in den Biomarkt. Die Stunde ist gĂŒnstig, denn es herrscht eine große Nachfrage. Gerade die Akteure, die schon lĂ€nger dabei sind, der sogenannte Biofachhandel, haben hier eine Aufgabe und auch eine Chance. Meiner EinschĂ€tzung nach sind viele MarktverhĂ€ltnisse, Beziehungen, Usancen in der Demeter-Markengemeinschaft assoziativ tingiert oder geprĂ€gt, aber diese Keime sind nicht als solche erkannt. Wenn Einzelne und Gruppen sich fragen, was an unserem wirtschaftlichen Tun schon assoziativ ist und wie dies gestĂ€rkt werden kann, dann können schnell Schritte gemacht werden. Jeder assoziative Ansatz wird partikular sein â€“ aber wir sollten uns Mut machen, gerade in diese unfertigen und beschrĂ€nkten Assoziationen einzutreten. Es gibt keinen anderen Weg. Es wird in absehbarer Zeit keine Regierungsprogramme fĂŒr assoziatives Wirtschaften geben, so wie es auch keines fĂŒr biodynamische Landwirtschaft gibt.

2. Assoziationen fĂŒr Kredite, Boden und Kapital

Wem gehört der Boden? Wer hat das Recht, ihn zu bewirtschaften? Wie findet sich das Kapital, um den Boden zu Marktpreisen zu kaufen, um ihn dann zu lebbaren Bedingungen der Bewirtschaftung zur VerfĂŒgung zu stellen? Es gibt in einigen LĂ€ndern Organisationen, die mit diesen Fragen umgehen, sie geben sich öfters die Form einer Stiftung. Langfristigkeit ist dem Boden angemessen, aber damit das Potenzial eines Bodens, eines Hofs ausgeschöpft werden kann, braucht es auch die gute und wirtschaftliche Bewirtschaftung. Dazu brauchen die Bewirtschaftenden weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten gegenĂŒber den EigentĂŒmern. Es braucht Kreditmöglichkeiten, entweder ĂŒber die Personen mit Landeigentum oder direkt als Bewirtschafterin oder Bewirtschafter, und es braucht Kooperationspartnerschaften fĂŒr diese lĂ€ngerfristigen Ausrichtungen. Bedenkt man, dass die anderen Stufen in der Biowertschöpfungskette â€“ Verarbeitung und Handel â€“ auch Kapital brauchen, auch die Generationenabfolge lösen mĂŒssen, auch die Frage des Anspruches und der Verantwortung des eingesetzten Kapitals haben, dann kommen Assoziationen in den Blick, wo es mehr um die Ausstattung mit Produktionsmitteln als direkt um den Produktestrom geht. Solche assoziativen Cluster fĂŒr große und langfristige Investitionen mit Leih- und Schenkkapital sind genauso nötig und möglich wie die Assoziation im Wertschöpfungsraum, wo es mehr um das Kaufgeld geht.

3. Assoziationen fĂŒr Forschung und Innovation

Um in einer ganzen Bewegung wie der biodynamischen Bewegung ein Innovationspotenzial offenzuhalten, braucht es Grundlagenforschung, Praxisforschung und spezialisierte wissenschaftliche Forschung. Auch hier greift der assoziative Gedanke, nur muss man ihn heute noch weiter spannen. Eine solche Assoziation muss den geistigen und unternehmerischen Sinn haben, Fragen zu stellen und zu bearbeiten, die nicht einfach aus dem Alltag hervorgehen, und gleichzeitig den Willen aufbringen, die Bearbeitung dieser Fragen zu finanzieren. Wirtschaftliche ÜberschĂŒsse sind durch angewandten Geist in der Wirtschaft möglich. Wie kann nun aus diesen ÜberschĂŒssen die junge geistige Produktivkraft gefördert werden? Die Gestaltung dieser Frage ist essenziell fĂŒr die Weiterentwicklung der biodynamischen Bewegung und der gesamten Anthroposophie.

Biodynamische Landwirtschaft und assoziatives Wirtschaften

Die Landwirtschaft arbeitet direkt mit der lebendigen Natur und steht dauernd in der Frage, wie stark sie der Natur und wie stark dem Markt verpflichtet ist. Die Landwirtschaft ist Wirtschaft, aber nicht nur. Sie zeugt stĂ€ndig von einem grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang, der nicht vollstĂ€ndig in unserer VerfĂŒgung steht. Diese Erfahrung macht man auch im assoziativen Wirtschaften: Man steht voll in seiner wirtschaftlichen IdentitĂ€t und gleichzeitig steht man im grĂ¶ĂŸeren Kreis. Die Grenzen des Wirtschaftens werden erlebbar und dadurch wird das Wirtschaften selbst interessant, denn es ist nicht einfach eine Maschinerie, die lĂ€uft, sondern es ist ein Teil der umfassenden sozialen RealitĂ€t, und diese gewinnt ihren Sinn mindestens teilweise aus ihrer BezĂŒglichkeit zum Geistesleben und zum Rechtsleben.

Es ist die EigentĂŒmlichkeit der Landwirtschaft, dass sie ihre Produktionsmittel â€“ Boden, Pflanzen und Tiere â€“ nicht abnĂŒtzt, sondern dass sie diese möglichst sogar verbessert. In einem gewerblichen oder industriellen Betrieb mĂŒssen die Produktionsmittel abgeschrieben werden, weil sie abgenĂŒtzt sind und ersetzt werden mĂŒssen. Das muss die Landwirtin oder der Landwirt nur mit dem Traktor machen und mit dem Stall. Die natĂŒrlichen Produktionsmittel Boden, Pflanzen und Tiere können sich bei guter biodynamischer Bewirtschaftung im Produktionsprozess aufbauen und verbessern: Nach dem Durchgang durch die Fruchtfolge ist der Boden besser als davor, die Wiese kann durch die Bewirtschaftung artenreicher oder ertragreicher werden, das Kalb wird hoffentlich die bessere Milchkuh als die Mutter. Dieses PhĂ€nomen der Produktionsmittel-Verbesserung in und durch die Produktion taucht in der Landwirtschaft auf, weil sie mit der Natur, mit ihrer Lebendigkeit, ihrer Fruchtbarkeit und Produktivkraft arbeitet. Im eigentlichen Sinne produktiv ist der in sich ausbalancierte Zusammenhang von Boden, Pflanzen und Tieren, der landwirtschaftliche Organismus. Und diese Geste findet sich wieder im assoziativen Verbund: Effizient wirtschaftlich ist der Kreis von Menschen, der frei, aber verbindlich und zusammenstehend wirtschaftet.

data-animation-override>
Die Kette – Produktion, Verarbeitung, Großhandel, Einzelhandel, Konsum – soll zu einem Kreis, zu einem runden Tisch gebogen werden.

Diese Kraft der Landwirtschaft, stĂ€ndig neue Substanzen, KrĂ€fte und Werte in den Wirtschaftsprozess einzubringen, kann auch volkswirtschaftlich ausgedrĂŒckt werden. Rudolf Steiner sagt von der Landwirtschaft, dass sie positiv bilanziert, im Gegensatz zur Industrie, die negativ bilanziert. Beide Pole sollten in einem VerhĂ€ltnis stehen, das nicht total einseitig ist. In der heutigen Wirtschaft ist der abbauende Pol zu stark (ĂŒbrigens auch durch die industrielle Landwirtschaft) und von daher besteht eine gesamtwirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Forderung nach einer Wirtschaft, die mehr wie die Landwirtschaft ist. Ein Ausdruck davon ist zum Beispiel das Streben nach sogenannter erneuerbarer Energie. â€čErneuerbarâ€ș wie die alljĂ€hrliche Erneuerung der landwirtschaftlichen Produktion.

Die assoziative Wirtschaft oder besser die Menschen, die in diese Zusammenarbeit einsteigen und das Assoziative wie eine innere Haltung verkörpern, sind von dieser EigentĂŒmlichkeit der Landwirtschaft und ihrer betriebs- und volkswirtschaftlichen Auswirkung besonders angezogen. Das Arbeiten mit lebendigen Bildern, im Gegensatz zu definierten Begriffen, verbindet die assoziative Wirtschaft und die biodynamische Landwirtschaft.


(1) Johannes Wirz, Peter Kunz, Ueli Hurter: â€čSaatgut – Gemeingut â€“ ZĂŒchtung als Quelle von Realwirtschaft, Recht und Kulturâ€ș Dornach 2017. Download unter www.sektion-landwirtschaft.org

Der Artikel ist dem Rundbrief 114/Winter 2018 der Sektion fĂŒr Landwirtschaft entnommen. Ausserdem ist eine Publikation im Verlag am Goetheanum in Vorbereitung.

Bilder: Nina Gautier, Samenkapseln, 2019. In der Zusammenarbeit wird alles zum Samen, denn in der Gemeinschaft wĂ€chst man durch und mit anderen ĂŒber sich hinaus. Hier Calendula- und Kapuzinerkresse-Samenkapseln.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Letzte Kommentare

Facebook