Ein biodynamisches Friedensprojekt

Seit ĂŒber 20 Jahren ist Reto Ingold beratend in SĂŒdosteuropa unterwegs. ErnĂŒchternd ist dabei fĂŒr ihn die Erkenntnis, dass die biodynamischen Pionierinnen und Pioniere völlig auf ihre Kontakte zu Abnehmern in Westeuropa ausgerichtet sind. Man nahm sich bisher untereinander kaum wahr. Er berichtet davon.


Der Wunsch nach einer gemeinsamen Begegnung all dieser Akteurinnen und Akteure, einer SĂŒdosteuropakonferenz, begleitet mich seit Langem. Die Wanderschule mit ihrem Kernanliegen der Vernetzung, Wahrnehmung und Hilfe bei der Selbstorganisation bietet dafĂŒr den idealen Raum, wenn auch derzeit nur virtuell.

Das fĂŒr mich Unvorstellbare gelang! Matjaz Turinek und Maja Kolar (Demeter Slowenien) brachten alle â€čalten Hasenâ€ș an den Konferenztisch. Offen und ehrlich wurde berichtet â€“ von großen Visionen, aber auch von großen Schwierigkeiten bei der Umsetzung in die Praxis. Mimi Nadarewa aus Bulgarien stellte ihre Arbeit mit biodynamischen Rosen vor, Theo Kontogiannis aus Griechenland erntete viel Aufmerksamkeit mit seinen KrĂ€utern und Sultaninen. Zoran Petrow aus Serbien erzĂ€hlte von seiner Biomolkerei. Radovan Suman aus Slowenien fĂŒhrte eindrĂŒcklich in seinen Anbau und den Ausbau der schwefelfreien, naturnahen Amphorenweine ein. Durch die lebendigen PrĂ€sentationen wuchs der gegenseitige Respekt â€“ spĂŒrbar auch im virtuellen Raum! Eine unglaubliche Vielfalt an Kulturen, Naturumgebungen und Menschen tat sich auf, ein GefĂŒhl der Zusammengehörigkeit entstand. Diesem Prozess Raum zu geben, eine vertrauensvolle, kollegiale Stimmung zu schaffen, um die Sub-stanz fĂŒr die biodynamische Arbeit zu stĂ€rken, war der eigentliche Erfolg der Konferenz, ein Erfolg aller Beteilgten.

Ich bin ĂŒberzeugt, dass dieser Austausch gegenseitiges VerstĂ€ndnis fördert, Boden schafft fĂŒr regionale Zusammenarbeit und gegenseitige UnterstĂŒtzung. Wir helfen mit, eine eigenstĂ€ndige biodynamische Beratung aufzubauen, damit neue Betriebe umstellen und sich im Kreis der biodynamischen Landwirtschaft wohlfĂŒhlen. Das Potenzial dieser klimatisch, bodenspezifisch und kulturell besonderen Region fĂŒr biodynamische Entwicklung ist riesig, und viele weitere Betriebe können darin eine gute wirtschaftliche Basis finden.

Und nicht zuletzt entsteht durch den Austausch ĂŒber die kleinen nationalen Grenzen eine spĂŒrbare Friedenssubstanz. Nicht die alten Kriegstraumata stehen im Vordergrund, sondern eine neue gemeinsame friedenstiftende Arbeit an der Zukunft der Landwirtschaft. In der Wanderschule sind wir uns dieser wertvollen Substanzbildung bewusst und wir sind dankbar, hier unterstĂŒtzend zu wirken.


Bild: Landwirtin Amalka Vukelić aus Donji Kraljevec, Kroatien, zeigt ihre biodynamischen PrĂ€parate in einer mit Torf isolierten Box. Foto: Reto Ingold.

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