Die Menschenseele wird Weltenseele

Aus vier Teilen der Welt fĂŒgten Libertad Aguilar aus Kolumbien, Rosalinda Maglana aus den Philippinen, Adam Banning aus den USA und Hana Adamcova aus Tschechien Ihre Betrachtungen zu Rudolf Steiners Grundsteinspruch zusammen. Ein mythischer Moment an der Medizinischen Jahrestagung. Die Menschenseele riefen sie an und die Weltseele war zu spĂŒren. Auch das gehört zur Pandemie: Sie betrifft die ganze Menschheit und so erwacht die Menschheit zu sich selbst.


‱  Guten Tag, Buenos Dias, liebe GrĂŒĂŸe aus Kolumbien von Libertad Aguilar. Ich befinde mich in einem Urwald in Kolumbien, wo die Tahamias gelebt haben. Ich möchte meine eigenen Überlegungen schildern, wie sich der erste Teil der Grundsteinmeditation von Rudolf Steiner verbinden lĂ€sst mit der Art und Weise, wie die Naturvölker Kolumbiens und ganz Lateinamerikas sich mit der Natur und ihren kosmischen KrĂ€ften verbunden haben – wie das â€čGeisterinnernâ€ș durch den Willen geschehen ist und auch heute noch geschieht. Dabei ist die Sprache eine Verkörperung dieser geistigen KrĂ€fte.

Menschenseele!

Du lebest in den Gliedern,

Die dich durch die Raumeswelt

In das Geistesmeereswesen tragen;

Ube Geist-Erinnern

In Seelentiefen,

Erinnern im tiefsten Sinne bedeutet, wieder durch das Herz zu gehen und sein Pochen mit der lebendigen Erinnerung der Welt vereinen zu lassen. Erinnern ist die Tat, sich als Teil des einen Moments der Umarmung von Himmel und Erde zu fĂŒhlen. Erinnere dich durch die Trommel daran, dass unser Herzschlag mit dem Schlag von Mutter Erde vereint ist. Sich zu erinnern bedeutet, aufmerksam auf das Mysterium des Kosmos zu hören, der die göttliche Ordnung und seine Geheimnisse Mutter Erde diktiert, die sie lebendig und in Harmonie in ihrem scheinbaren Chaos beschĂŒtzt. Hier in Gegenwart von Mutter Erde schaffe ich eine Leere, an die ich mich in Stille erinnern kann, und höre so auf das sĂŒĂŸe und göttliche Wort, das die Wurzel der BĂ€ume bewohnen und gleichzeitig sich mit meinen FĂŒĂŸen verbinden will. Ich bitte um Erlaubnis fĂŒr das schöpferische Wort, fĂŒr diese spirituelle Kraft, damit sie sich in mir manifestiert. Ich grĂŒĂŸe das Herz des Kosmos, das Herz von Mutter Erde, das Herz des Wassers, das Herz des Windes, das Herz des Feuers. Ich bitte meine Vorfahren, die mich fĂŒhren und unterstĂŒtzen, um Erlaubnis, um so ihren Geist zu ehren und dafĂŒr zu danken, dass ich in ihnen bin. Sie hören mir zu und freuen sich, ihre PrĂ€senz in meinen Bewegungen zu spĂŒren. Ich verfĂŒge ĂŒber meine Seele, um zu empfangen.

Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen

In den Weltentiefen Sein-erzeugend:

Ich erinnere mich daran, dass meine FĂŒĂŸe und HĂ€nde wissen, wie man auf die Erde hört. Sie wissen mich zu fĂŒhren und fĂŒhren den Weg der Ahnenerinnerung an Großmutter-Steine, Großmutter-Wasser, Großvater-Luft und Großvater-Feuer. Meine FĂŒĂŸe und meine HĂ€nde verstehen es, auf die KlĂ€nge zu hören, die sich in den Wurzeln der BĂ€ume bilden, und die BĂ€ume beobachten meine Bewegung begeistert, in welcher sie sich selbst erkennen. Denn durch den Tanz erinnern wir uns. Tanz als lebensspendende Bewegung, die das göttliche Wirken im Sein der Welt erkennt und sich in behutsamen und liebevollen Handlungen sichtbar macht. Ich bin also eingeladen, zu tanzen, zu bewegen, zu handeln aus dieser tiefen Verbindung mit der göttlichen Kraft, die die Erde bewohnt und sie, die göttliche Kraft und die Erde freuen sich, durch meine Bewegungen von sich selbst zu erfahren. Im Hier und Jetzt erinnere ich mich an die Frage, die mich zu diesem Körper gefĂŒhrt hat, und ich tanze zu ihm, um mich nicht allein zu fĂŒhlen.

Seraphim, Cherubim, Throne,

Lasset aus den Höhen erklingen,

Was in den Tiefen das Echo findet;

Dieses spricht:

Ex Deo nascimur.

Das hören die Elementargeister

In Ost, West, Nord, SĂŒd:

Menschen mögen es hören.

Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,

Der dich durch den Zeitenrhythmus

Ins eigne SeelenwesensfĂŒhlen leitet:

‱  Ich bin Rosalinda Maglana, Ärztin in den Philippinen. Ein Land im SĂŒdosten Asiens, wo fast jeden Tag die Sonne aufgeht. Unsere nationale anthroposophische medizinische Organisation trĂ€gt den Namen LAMP. Sie will Leben geben, Heilimpulse in die Dunkelheit unserer Zeit. Die gemeinschaftliche Arbeit im sĂŒdlichen Teil unseres Landes ist vor allem gestaltet durch meine Verbindung mit arka, einem Gesundheitszentrum. Der Name klingt beinahe wie das philippinische Wort Jaka, was so viel bedeutet wie â€čwarme Umarmungâ€ș. Wenn ich in meine lebenslange Arbeit schaue, erinnere ich mich an einen Patienten in der Medizinausbildung, der an Krebs litt und dessen Bitte um Hilfe mich tief berĂŒhrte. Ich sah Babies an leichten Infekten schwer erkranken und erkannte, wenn die MĂŒtter, wenn die Patienten wĂŒssten, was sie selbst fĂŒr ihre Gesundheit tun könnten, wĂŒrde sich die Sterblichkeitsrate deutlich senken. Wenn die Menschen hier wĂŒssten, welche heilenden Ressourcen die Natur bietet, könnten viele Krankheiten vermieden werden. Ein paar Pence in ihren Taschen wĂ€ren trotz der unerschwinglichen Krankenhauskosten nicht nutzlos. Mir bricht jedes Mal das Herz, wenn ich die vielen Erkrankungen in unserem Hospital nicht verhindern kann, nur weil ein Patient nicht die nötige Bezahlung leisten konnte. Ich werde stĂ€ndig zum Zeugen der Armut und des Elends. So erkannte ich: unser ganzes System ist krank und ruft nach Heilung. Etwas wuchs in meiner Seele, eine Geste, aufzustehen fĂŒr die Schwachen, Verletzten und Armen. Da fĂŒhlte ich den Puls meines eigenen Herzens. Der Puls meines Herzens spiegelte meine Verantwortung fĂŒr mehr ganzheitliche Heilung, die ich in meiner Medizinausbildung nicht finden konnte. Der Herzschlag rief nach Vorsorge, Bildung und FĂŒrsorge. Der Herzschlag flĂŒsterte von Leidenschaft und Verantwortung, mich selbst zu heilen, die Menschen, die Gemeinschaft, das System und die Erde.

Ube Geist-Besinnen

Im Seelengleichgewichte,

Wo die wogenden

Welten-Werde-Taten

Das eigne Ich

Dem Welten-Ich

Vereinen;

Und du wirst wahrhaft fĂŒhlen

Im Menschen-Seelen-Wirken.

Der Schlag meines Herzens ist seitdem zu meinem Weg geworden. Meine Arbeit hat mich zum Zeugen werden lassen fĂŒr die vielen Gesichter von Krankheit, Dunkelheit und Tod. In Asien, wo es so viel Landwirtschaft gibt, ist die Armut gewaltig. Viele LĂ€nder Asiens besitzen Rohstoffe fĂŒr die globale Produktion. Sie zu gewinnen bedeutet enorme Umweltbelastungen. Das gilt auch seelisch: Das GefĂŒhl fĂŒr Moral und IntegritĂ€t ist geschwĂ€cht. Daraus wachsen nationale und internationale Konflikte. Wir fĂŒhlen in der Seele all diese Folgen des Materialismus und der Kommerzialisierung. Die Pandemie zeigt im Brennglas die schwierige Lage der Kinder, Waisen und anderen vulnerablen Schichten in Asien. Die Pandemie wurde zu einer Pandemie der Polarisierung, der Isolation, Kontrolle und Verfolgung. Das Licht in dieser ganzen Unsicherheit zeigt sich darin, dass viele Menschen fĂŒr die Probleme erwachen, soziale Plattformen stark werden. Wie können wir dieseEntwicklung fördern und verstĂ€rken?

Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis

In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend.

Wie kann die Christussonne sich ĂŒber den Schatten dieser Dunkelheit erheben? Christus heilte, verkörperte die Essenz des Heilens! Er hat Platz in seinem Herzen fĂŒr alle Kranken und sucht das verlorene Schaf. Er sieht in jedem Kranken den Menschen und keine Zahl einer Statistik. Christus zeigt den Kern seines Heilens: sich zu opfern und bedingungslos zu lieben.

Lasset vom Osten befeuern,

Was durch den Westen sich formet;

Dieses spricht:

In Christo morimur.

Das hören die Elementargeister

Im Ost, West, Nord, SĂŒd:

Menschen mögen es hören.

Wenn wir den Kranken gestatten, ihre Krankheit zu zeigen, wenn wir ihn oder sie begleiten in seiner oder ihrer Gesundung, dann erkennen wir, dass die Krankheit mit dem inneren Sein verbunden ist und mit seiner oder ihrer Umgebung. Innen und Außen sind verbunden und das menschliche Ich bildet die Mitte. Helft, wenn der Ruf erklingt, zu helfen.

 Ohne Titel, Elena Borer, 2021

‱ Adam Banning, USA, Colorado. Es war eine besondere Erfahrung, zusammenzuarbeiten, weil wir nicht ĂŒber unsere Ideen gesprochen haben. Wir sprachen ĂŒber Erfahrungen, und jedes Mal, wenn wir uns trafen, waren die Erfahrungen etwas anders und wir wussten nicht, was die anderen sagen wĂŒrden. Wenn wir jetzt auf den dritten Teil des Grundsteinspruchs schauen, da wird aufgerufen, den Geist zu erschauen in Gedankenruhe.

Menschenseele!

Du lebest im ruhenden Haupte,

Das dir aus EwigkeitsgrĂŒnden

Die Weltengedanken erschliesset:

Ube Geist-Erschauen

In Gedanken-Ruhe,

Ich denke, in Nordamerika, besonders in den USA, ist das nicht leicht. Gleichzeitig besteht eine große Sehnsucht nach dieser Ruhe. Aber da ist so viel Information, die auf uns einstĂŒrmt, und viele Patienten, Freunde und Verwandte erzĂ€hlen mir, dass sie in diesem merkwĂŒrdigen Zwischenraum stehen, wo man sich mĂŒde und doch aufmerksam fĂŒhlt. Man ist sehr mĂŒde und kann trotzdem nicht einschlafen, weil da ein Teil in der Seele fortwĂ€hrend hört. Heute hat jeder ein Handy. Hat man eine Frage, so findet man die Antwort in der eigenen Tasche. Eine meiner Töchter fĂ€hrt schon alleine Auto. Als ich sie fragte, wohin sie denn gehe, sagte sie, ich mĂŒsse mir keine Sorgen machen, sie habe ihr Telefon dabei. Das Telefon wird mir sagen, wohin ich gehen soll. Das ist die Wirklichkeit! In der Pandemie arbeiten viele von zu Hause am Computer. Auf eine berufliche Konferenz folgt ein GesprĂ€ch mit Freunden, dann checkt man seine Mails, schaut seine Facebookseite an und folgt einem netten Tierfilm, den jemand mit uns geteilt hat. Dann folgt ein Signal, dass es neue Nachrichten gibt. Andere nutzen ihr Telefon als Wecker. Dann liegt es auf dem Nachttisch, und bevor sie sich schlafen legen, schauen sie kurz, ob da eine Nachricht eines Freundes zu lesen ist. Es ist eine kontinuierliche Verbindung! Eine Verbindung mit Informationen aller Art: ein Gruß, eine Erinnerung, Nachrichten zu Corona oder politische Unruhen und jede Menge Gefahren. Dazu gehört das GefĂŒhl, dass die Informationen tatsĂ€chlich alles beantworten können. In den USA zu leben heißt, das GefĂŒhl zu haben, dass es Experten und Expertinnen fĂŒr jede nur denkbare Sache gibt. Wenn etwas geschieht, gibt es sofort jemanden, der sagt, was man davon zu halten hat. Manchmal meint man, sie wĂŒssten die Antwort, bevor etwas geschehen ist. Dann ist da der Zeitdruck: Als Arzt bleibt oft nur die Zeit, zu entscheiden: Welches Medikament soll ich verschreiben, welchen Test anordnen. Man weiß, dass man das ganze Problem jetzt gar nicht lösen kann. Die Überzeugung wĂ€chst, dass ein Computer das doch besser kann, weil er alle nur möglichen Informationen in sich hat. Kein Mensch kann so viel Informationen wissen. Mit der Pandemie kam die Online-Diagnose, auch fĂŒr mich, und einige sagen jetzt: «Vielleicht sollten wir dabei bleiben.»

Da ist also diese Erschöpfung von dem Informationsfluss und die Sehnsucht nach Ruhe. Vor einigen Monaten sprach ich mit einem Patienten, dem in seiner Kindheit seine Mutter, wenn er das Haus verließ, auf den Weg gab: «Mach nicht zu gefĂ€hrliche Sachen!» Das machte ihn fast verrĂŒckt. Er fragte sich stĂ€ndig, wo hier etwas â€čzuâ€ș gefĂ€hrlich sein könnte. Ich glaube, in Nordamerika gibt es viele Menschen, die nichts â€čzu GefĂ€hrlichesâ€ș machen wollen. Was hat das mit der Gedankenruhe zu tun?

Als ich mein Medizinstudium begann, kam am ersten Tag der Dekan der UniversitĂ€t zu uns. Er grĂŒĂŸte uns und sagte, wir seien wunderbare Menschen mit Inspiration. «Ich weiß, dass manche am Ende des Studiums ein Burnout haben, aber das wollen wir Ă€ndern. Wir kĂŒmmern uns darum, dass ihr eure Menschlichkeit behaltet.» Dann sagte er etwas, was mich schockierte: «In den nĂ€chsten vier Jahren wird sich 50 Prozent von dem, was wir euch beibringen, als falsch erweisen. Aber wir wissen nicht, welche 50 Prozent.» Das fand ich mit der Zeit doch recht irritierend, vor allem, weil man so viel auswendig lernen musste. Weil die Informationen stĂ€ndig zunehmen, ist unser jetziges Wissen unvollstĂ€ndig und deshalb fehlerhaft. Das meinte er und er hatte recht. Es geht aber nicht nur darum, dass Informationen hinzukommen, wir mĂŒssen andere Informationen auch einfach weglassen.

Als ich von Colorada aus zu dieser Konferenz startete, hatte ich einen Nachtflug, konnte also ĂŒber Tag noch arbeiten. Wie ĂŒblich bei mir, kam kurz vor der Reise eine schwierige Patientin zu mir in die Praxis. Es war eine Frau, die ich schon lĂ€nger kannte. Sie war Mutter geworden und hatte viel Gewicht verloren, weshalb ich sie in die Praxis bat. Wir sprachen, sie erzĂ€hlte von ihrem Stress in der Familie, von Depression, Angst, Essstörung, vielleicht Autismus. Jemand sagte, sie habe eine Persönlichkeitsstörung. Da geschah etwas Interessantes, vergleichbar einem besonderen Geruch, es ist im Umkreis. Ich fragte plötzlich: «Wie alt sind Sie?» «Ich wurde vorgestern 28 Jahre alt.» Das war es! Sie war in einer biografischen Wandlung, in der Neues kommen wollte. Sie suchte eine neue Wahrheit. In solch einer Lage muss man meistens etwas Unsicheres, Unbequemes, Unlogisches entscheiden, aber voller Wahrheit. «Vielleicht ist es Zeit fĂŒr neue Gedanken», fragten wir uns zusammen. Nach einem GesprĂ€ch, fĂŒr das gerade noch Zeit war, sagte sie: «Jetzt habe ich etwas Hoffnung.» Dieser Moment, dass wir beide fĂŒhlten, es muss etwas Neues kommen, dieser Moment erfĂŒllt dieses Geist-Erschauen in Gedanken-Ruhe.

Wir haben in den USA wenig Kultur, etwas loszulassen. Immer geht es darum, reicher, smarter, mit mehr Freunden zu werden. Aber einen Prozess zuzulassen, bei dem man etwas gehen lassen sollte, damit Neues kommen kann, das ist uns recht fremd. Das ist das Geist-Erschauen, in Gedanken-Ruhe, das zu ĂŒben sich lohnt.

‱ Wenn ich, Hana Adamcova, die ersten sieben Zeilen der letzten Strophe höre, werde ich mit Hoffnung erfĂŒllt.

In der Zeiten Wende

Trat das Welten-Geistes-Licht

In den irdischen Wesensstrom;

Nacht-Dunkel

Hatte ausgewaltet;

Taghelles Licht

Erstrahlte in Menschenseelen;

Diese Worte, das klingt fĂŒr mich wie ein MĂ€rchen. Das Böse ist ĂŒberwunden, das Gute hat gesiegt und alles ist wieder gut. Als ich darĂŒber nachdachte, wo ich ein Ă€hnliches Erlebnis von dieser Hoffnung kenne, erinnerte ich mich an meine Kindheit. Jeden Sonntag um ein Uhr nachmittags saß ich mit dem Ohr am Radio und hörte mir eines der MĂ€rchen an, die im tschechischen Rundfunk damals jeden Sonntag ĂŒbertragen wurden. Es war eine Stunde voller Spannung und Vorfreude. Wird die Prinzessin gerettet? Kann der Held den dunklen Wald bezwingen? Werden die bösen Hexen ihre schwarze Magie hinter sich lassen? Der Triumph des Guten war ein freudiger Moment. Mein Herz tanzte. Hoffnung, dass das Licht die Finsternis besiegt und ihre Herrschaft beendet.

Eine zweite Erinnerung solcher Hoffnung stammt aus meiner Schulzeit. Es war 1989 und das Land, damals Tschechoslowakei, erlebte sich in einer Wende. FĂŒr viele Menschen war es eine Zeitenwende. Der Kommunismus konnte sanft und friedlich ĂŒberwunden werden und das Land bewegte sich in Richtung Demokratie. Die Stimmung war unglaublich. Innerhalb von Tagen verband ein Hauch von Freiheit alle Generationen. Nach der dunklen Zeit des kommunistischen Regimes erstrahlte ein neues Licht! Es war eine Hoffnung im ganzen Land, das die Bevölkerung in einem GefĂŒhl von Harmonie vereinte. Man verstand sich ohne Worte.

Nacht-Dunkel

Hatte ausgewaltet;

Taghelles Licht

Erstrahlte in Menschenseelen;

Als der Enthusiasmus der ersten Monate vorĂŒber war und wir mit dem Wiederaufbau unseres Landes begannen, wurde klar, dass Hoffnung allein nicht ausreicht. Es war etwa so, als wĂ€re das Licht nicht in uns, sondern vor uns leuchtend, wie ein Stern. Und sobald das Licht aufhörte, uns zu tragen, hörten die menschlichen Herzen auf, einander zu verstehen. So wie die Sonne am Abend untergeht und die Erde kalt wird, wenn die Hoffnung erlischt, bleiben unsere Herzen leer, trostlos und unser Verstand verwirrt. Um gute Entscheidungen zu fĂ€llen und unsere Welt verstehen zu können, muss das Licht in die HĂ€upter kommen. Damit wir MitgefĂŒhl fĂŒr andere haben und unsere Beziehungen pflegen können, muss es unsere Herzen erwĂ€rmen. Das geschieht nicht von alleine. Das Licht tritt in jede Seele ein, die es zulassen wird. Sonst hĂ€tte der Evangelist nicht geschrieben: «Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.» Damit das Licht unsere HĂ€upter erleuchtet, mĂŒssen wir Könige werden. Damit es uns warm ums Herz wird, mĂŒssen wir Hirten werden.

Licht,

Das erwÀrmet

Die armen Hirtenherzen;

Licht,

Das erleuchtet

Die weisen KönigshÀupter.

Was heißt es, König zu sein, Hirte zu sein? Der König, die Königin, ist die Person, die nach der Wahrheit sucht und bereit ist, Entscheidungen zu treffen und dafĂŒr die Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Wer ist dazu bereit, auch dort, wo gemeinsame Interessen liegen und deshalb niemand Verantwortung ĂŒbernehmen will? Und der Hirte ist die Person, die sich fĂŒr die anderen interessiert und fĂŒr deren Wohl etwas tut und sie nicht im Stich lĂ€sst, selbst wenn Wölfe in der NĂ€he sind. So erlauben wir dem Licht, in uns zu wirken. Es wird aus uns herausstrahlen und uns helfen, uns selbst und andere wahrzunehmen und uns um die Welt zu kĂŒmmern. Es sind bekannte Gedanken, die deshalb vielleicht einfach erscheinen. Was bekannt und einfach ist, mag fast banal erscheinen. Es hört auf, trivial zu sein, wenn wir uns fragen, inwieweit wir erfolgreich sind. Gelingt es mir, durch klares Denken und durch die Kraft des MitgefĂŒhls Frieden in meinem Herzen zu finden? Kann ich verstĂ€ndnisvoll und geduldig mit meiner Umgebung sein? Sind meine Handlungen in der Welt nĂŒtzlich und sinnvoll? Inwieweit sind sie gut? Jeder von uns ist auf dem Weg, dem Licht eine Heimat zu geben. So wird unser erleuchtetes Denken hinreichend ĂŒbereinstimmen. Unser erwĂ€rmtes GefĂŒhl wird die Bedeutung solcher Gedanken wahrnehmen und in die Welt hinaustragen wollen. Dann werden unsere Taten hell und gut sein.

Göttliches Licht,

Christus-Sonne,

ErwÀrme

Unsere Herzen;

Erleuchte

Unsere HĂ€upter;

Dass gut werde,

Was wir

Aus Herzen grĂŒnden,

Was wir

Aus HĂ€uptern Zielvoll fĂŒhren

wollen.

Die Essenz der Grundsteinmeditation ist fĂŒr mich jetzt auch heileurythmisch beinhaltet:
Hoffnung, hope, espĂ©rance, naděje, speranza
Liebe, love, l’amour, láska, amore
Glaube, faith, foi, vĂ­ra, fede


Aus der Medizinischen Jahreskonferenz â€čDie Verantwortung der Medizin fĂŒr Mensch und Naturâ€ș vom 14. bis 19. September 2021, teilweise aus dem Englischen, Übersetzung: Wolfgang Held


Wie man im wirkenden Sich-Bewegen erfasst die waltende Weltenliebe, so wird man die Urbilder des Weltenseins erfassen, wenn man in sich fĂŒhlt den geheimnisvollen Ubergang zwischen Weltenrhythmus und Herzensrhythmus und durch diese wiederum den Menschenrhythmus, der geheimnisvoll seelisch-geistig sich abspielt zwischen Lunge und Herz. Und wenn der Mensch in der richtigen Weise fĂŒhlend wahrnehmen wird, was sich offenbart in seinem Hauptessystem, das da ruhet auf seinen Schultern, auch wenn er geht, dann wird er, sich erfĂŒhlend in seinem Hauptsystem, die HerzenswĂ€rme ausgiessend in sein Hauptessystem, die waltenden, wirkenden, webenden Weltgedanken in seiner eigenen Wesenheit erleben.

Aus: Rudolf Steiner, Die Weihnachtstagung zur BegrĂŒndung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, 1923/1924. GA 260, Dornach 1994, S. 62ff

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