Das Schmetterlingstal I

Sie steigen auf, die Schmetterlinge des Planeten,
wie Farbenstaub vom warmen Körper der Erde,
Zinnober, Ocker, Gold und Phosphorgelb,
ein Schwarm von chemischem Grundstoff hochgehoben.

Dieses FlĂŒgelflimmern –  ist es nur eine Schar
von Lichtteilchen in einem Gesicht der Einbildung?
Ist es die getrÀumte Sommerstunde meiner Kindheit,
zersplittert wie in zeitverschobenen Blitzen?

Nein, es ist der Engel des Lichts, der sich selbst
als schwarzen Apollo mnemosyne malen kann,
als Feuervogel, Pappelvogel und Schwalbenschwanz.

Mit meiner umschleierten Vernunft sehe ich sie
wie leichte Federn im PfĂŒhl des Hitzedunstes
in der mittagsheißen Luft des Brajčinotals.

Inger Christensen, Das Schmetterlingstal, Frankfurt am Main 1998, S. 7.


Der Flug des Schmetterlings in der sommerlichen Hitze gleicht einem Tanz zwischen Wachen und TrÀumen.


Kommentar Johanna Lamprecht

Zeichnung von Philipp Tok

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