Das Gute reicht

â€čIch gebe mein Bestesâ€ș, schrieb ein Freund, als er entnervt mit seinen Kindern den zehnten Tag zu Hause in QuarantĂ€ne saß, ohne dass einer von ihnen krank war.


Malerei von Hannes Weigert, 2019

Ich fragte ihn: «Dein Bestes, warum, wofĂŒr?» Der Superlativ ist eine Konstruktion des neuzeitlichen Menschen. Es fĂŒhlt sich viel natĂŒrlicher an, zu sagen: «Ich gebe mein Gutes.» Darin liegt eine Harmonie, die integrativ ist. â€čMein Gutes gebenâ€ș geht gar nicht ohne den Zusammenhang zum Leben. Es bleibt beweglich, dieses Gute, in jedem Moment. Und es setzt nicht unter Druck, effektiv, effizient oder irgendwie sein zu mĂŒssen. Es erlaubt ein SelbstgesprĂ€ch, was mir der Superlativ nicht zu tun scheint. In ihm lebt eine EntmĂŒndung, die ich zulasse, weil ich glaube, es zu mĂŒssen. Aber das Beste ist nicht mehr wert als das Gute. Eher im Gegenteil. Und schon immer hat mich unter Druck gesetzt, wenn ich sagen sollte, was mein Lieblingsbuch oder meine Lieblingsfarbe oder wer meine beste Freundin ist.

â€čIch gebe mein Gutes, Schönes und Wahresâ€ș resoniert – vielleicht gar mit etwas, was auch außerhalb meiner selbst im Kosmos, im Leben zu Hause ist. Und was uns beide bewohnt.

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