Corona-Zahlen und Perspektiven

Angesichts j√ľngster Corona-
Diskussionen, auch im ‚ÄĻGoetheanum‚Äļ, ist es hilfreich, Rahmendaten und -ergebnisse zur Covid-19-Erkrankung zu kennen.


Selbstverständlich können diese Eckdaten in vielfältiger Hinsicht differenziert und präzisiert werden, ein erster Ansatz zur Groborientierung können sie dennoch sein. Sie mögen auch als Beitrag zur inner­anthroposophischen Debatte verstanden werden:

‚ÄĘ Die √∂ffentlich genannten Covid-19-Mortalit√§tszahlen haben mit gro√üer Wahrscheinlichkeit eine ungef√§hre reale G√ľltigkeit. Das Argument, man sterbe meist nicht an, sondern mit Covid-19, war von jeher ziemlich aus der Luft gegriffen. Covid-19-Sterbende weisen eine schwere und erkennbare Symptomatik auf.[note] Covid-19, Eine Zwischenbilanz [/note] Mittlerweile zeigen auch nachtr√§gliche Untersuchungen deutscher Pathologen, dass bei den durchgef√ľhrten Obduktionen von ver¬≠storbenen Covid-19-Patienten bei mehr als drei Viertel die Covid-19-Infektion die alleinige oder wesentliche Todesursache war.[note] √Ąrzteblatt [/note]

‚ÄĘ Die Mortalit√§tszahlen sind jenseits des deutschsprachigen Horizonts teilweise sehr hoch. Der Corona-Worldometer[note] World O Meters [/note] ist jederzeit allgemein zug√§nglich. Seine tagesaktuellen Zahlen sind unsicher, aber seine akkumulierten Zahlen d√ľrften ungef√§hr korrekt sein. Am 13. September 2020 lie√üen sich folgende Daten ablesen, sie bieten einen groben √úberblick. F√ľr Belgien: Gesamtzahl der bis dorthin gemeldeten Infizierten (‚ÄĻtotal cases‚Äļ) 92 478; hiervon Gestorbene (‚ÄĻtotal deaths‚Äļ) 9923, also circa elf Prozent. F√ľr Frankreich: Gesamtzahl 381 094; Gestorbene 30 916, also ca. acht Prozent. F√ľr die USA: Gesamtzahl 6 708 458; Gestorbene 198 520, also ca. drei Prozent. Das sind in einem halben Jahr mehr als dreimal so viele tote US-Amerikaner wie insgesamt im Vietnamkrieg. In Spanien, Italien, Gro√übritannien und den s√ľdamerikanischen L√§ndern sind die Gr√∂√üenverh√§ltnisse √§hnlich.¬†‚ÄstDas deutschsprachige Mitteleuropa hatte vergleichsweise gl√ľcklichere Verh√§ltnisse, weil die Infiziertenzahlen insgesamt bezogen auf die Gesamtbev√∂lkerung relativ niedriger lagen.

Coronavirus, Bild: SL

‚ÄĘ Seither steigen die t√§glichen Infektionszahlen in den europ√§ischen L√§ndern deutlich an, jedoch nicht die t√§glichen Todesf√§lle. M√∂glicherweise hat sich an dem Gesamtinfektionsgeschehen etwas ge√§ndert (allerdings gibt es in den letzten Tagen in Spanien wieder eine ansteigende Tendenz an Covid-Sterbef√§llen).[note] World O Meters [/note]

‚ÄĘ Ein oft genanntes Argument ist, dass die Gesamtzahl der gemeldeten Infizierten eine problematisch gro√üe Anzahl von falsch-positiven Testergebnissen enthalte. Das Argument steht auf √§u√üerst wackligen Beinen. Erstens w√§re dann die Rate der t√∂dlich Erkrankten im Verh√§ltnis zu den tats√§chlich Infizierten noch gr√∂√üer als oben angegeben. Zweitens gab es w√§hrend l√§ngerer Zeiten der Epidemie in verschiedenen L√§ndern (Australien, Island, Thailand, Neuseeland, Kroatien, Tirol, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg) gro√üe Testserien mit null Infektionsnachweisen.[note] √Ąrzteblatt/archiv [/note] Bei relevanten Falsch-positiv-Quoten w√§re das nicht m√∂glich.

‚ÄĘ Bisweilen ist zu h√∂ren, die bisherigen Schutzma√ünahmen h√§tten keinen Effekt gehabt. Jedoch: Im M√§rz 2020 waren die Fallzahlen der Infizierten steil angestiegen, genau ab dem Tag des Schul-Lockdowns (und begleitender √∂ffentlicher Schutzma√ünahmen) fielen sie kontinuierlich ab.[note] Helmut Kiene, Covid-19 ist keine Lappalie, in: ‚ÄĻGoetheanum‚Äļ 25‚Äď26/2020. [/note]

‚ÄĘ Haben die Masken eine Schutzwirkung? Aus technischen und ethischen Gr√ľnden wird es einen ‚ÄĻBeweis‚Äļ im Sinne einer kontrollierten randomisierten Studie wahrscheinlich nie geben k√∂nnen. Nicht nur br√§uchte es in einer solchen Pr√§ventionsstudie extrem hohe Fallzahlen, es w√ľrde sich vor allem auch in der gegenw√§rtigen Situation kaum jemand freiwillig randomisieren lassen. Au√üerdem m√ľsste man zu blo√üen ‚ÄĻBeweis‚Äļ-Zwecken viele Menschen ohne Schutzmaske sich mit Covid-19 infizieren lassen. Man w√ľrde die Studie wohl von keiner Ethikkommission genehmigt bekommen.

Ein gro√ües Thema ist die Angst. Es gibt die Angst vor Corona und es gibt die Angst vor der Angst. Beides mag als Schutzfaktor kontraproduktiv sein und beides ist kein verl√§sslicher Ratgeber. Wenn aber der Unterschied zwischen Angst und Vorsicht ber√ľcksichtigt wird, dann ist uns allen eine angstfreie Vorsicht zu w√ľnschen, au√üerdem auch eine gute und weisheitsvolle gesamtstrategische Balance zwischen der Eind√§mmung der Pandemie und der Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens. Wir alle werden in dieser Angelegenheit noch viel zu lernen haben.

  1. Vielleicht sollte sich Herr Kienle mal mit seinem Kollegen Harald Walach zusammensetzen. Sein Faktencheck klingt wesentlich √ľberzeugender: https://harald-walach.de/2020/10/07/corona-faktencheck/#more-2814
    So findet sich zur Wirksamkeit der Maßnahmen, die Herr Kienle als gegeben ansieht, folgende Aussage:
    „Herr Wieland, ein Geograph am Karlsruhe Institute of Technology (KIT), hat die Daten von allen 420 deutschen Landkreisen modelliert, um zu sehen, wo der Gipfel lag und ob die Ma√ünahmen einen Einfluss haben konnten [19, 20]. Seine Sch√§tzungen zeigen, dass der Gipfel in Deutschland am 18.3. war. Die Verz√∂gerung von Infektion zu Fallbericht sch√§tzt er auf 11 Tage. Der Lockdown in Deutschland fand am 23.3. statt mit Schulschlie√üungen etc. Wie kann dies dann den Gipfel, der 5 Tage vorher war beeinflusst haben? Retrokausalit√§t? Diese Einsch√§tzung teilt mittlerweile √ľbrigens auch das Netzwerk Evidence-Based Medicine in Deutschland, √Ėsterreich und der Schweiz [21]. Ich wei√ü, es gibt prominent publizierte anderslautende Einsch√§tzungen [22]. Wir haben gezeigt, dass diese Modellierungen nicht sauber sind, weil sie die vergleichsweise lange Latenz zwischen Infektion und Fallbest√§tigung, die eben mindestens 5, eher 11 Tage betr√§gt, nicht ber√ľcksichtigt haben [23, 24].“

  2. Zum Effekt der Schutzma√ünahmen: Es ist nicht sinnvoll, den Effekt auf Basis von Meldedaten oder – schon besser, aber immer noch irref√ľhrend – Erkrankungsdaten zu beurteilen. Es muss f√ľr das Infektionsgeschehen der Infektionszeitpunkt betrachtet werden. F√ľr Deutschland ist das einigerma√üen m√∂glich, denn das RKI sortiert im sog. Nowcasting die Meldedaten nach Erkrankungszeitpunkt (bzw. wann hat sich der Patient beim Arzt gemeldet). Jetzt muss man noch um die Inkubationszeit + die Verz√∂gerung, mit der der Patient zum Arzt geht verschieben. Dann seht man, das der Tag mit der h√∂chsten Infektionsrate der 10.3.2020 war. Und aus der R-Wertberechnung f√ľr den Infektionszeitpunkt l√§sst sich ablesen, dass, bis auf das Verbot der Gro√üveranstaltungen, alle Ma√ünahmen kamen, als R schon unter 1 lag und sich in der Nachfolge sich dieser Wert auch nicht wesentlich ge√§ndert hat. Also kein Effekt. Hier eine grafische Aufbereitung der RKI-Daten:
    https://ibb.co/48F7Lh0

  3. Zu den Infektionszahlen: In Anbetracht der Aussagekraft der PCR-Tests stellt sich hier allerdings schon die Frage, ob falsch-positive Resultate eine wesentliche Rolle spielen. Vgl. dazu:
    https://www.youtube.com/watch?v=blcESfa0V1w und
    https://www.youtube.com/watch?v=OixLI-IuJvY ab 3:55:00 (auch viele andere Sitzungen sind sehenswert)

    Wichtig ist dabei au√üerdem die klare Unterscheidung zwischen positiv getestet, erkrankt, schwer erkrankt, verstorben und nat√ľrlich die Ber√ľcksichtigung der jeweiligen Altersverteilung. Man vergleiche zu der Gef√§hrlichkeit der Erkrankung auch die aktuellen Aussagen der WHO (heute ist der 26. Oktober 2020), die sich den Aussagen von John Ioannidis anschlie√üt: liegt in etwa im Bereich einer mittelschweren bis schweren Grippesaison (https://www.who.int/bulletin/online_first/BLT.20.265892.pdf)

    Die Aussage, es sei aus der Luft gegriffen zu behaupten, man sterbe nicht an, sondern mit Covid19 ist nicht haltbar! Nat√ľrlich – wenn die Diagnose gestellt wurde und ein Patient ist daran verstorben, w√§re dies mehr als fraglich. Entsprechend w√§re in diesem Fall auch die Aussage zu den Obduktionen richtig. Aber in die Statistiken flie√üen als Beispiel auch F√§lle ein, die etwa bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen, nachdem bei ihnen eine Sars COV2 Infektion festgestellt wurde (PCR – Test!) und die wieder genesen sind innerhalb von 4 Wochen (soweit ich wei√ü, wird das jetzt in D sogar noch gro√üz√ľgiger gehandhabt, auf jeden Fall aber in einigen anderen L√§ndern).

    So eindeutig, wie die Dinge hier dargestellt werden, sind sie keineswegs. Ich frage mich immer wieder, warum in Anbetracht der mittlerweile (auch schon zum Erscheinungsdatum dieses Artikels) guten und reichlich vorhandenen Analysen und Quellen eine Differenzierung so schwierig zu sein scheint.

    Wer sich gerne mit Statistiken beschäftigt, kann auch gut die ständig aktualisierten Analysen und Grafiken zu Covid19 auf https://t.me/Corona_Fakten nutzen.

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