Bitte

Wir werden eingetaucht
und mit den Wassern der Sintflut gewaschen
Wir werden durchnÀsst
bis auf die Herzhaut
Der Wunsch nach der Landschaft
diesseits der TrÀnengrenze
taugt nicht
der Wunsch den
BlĂŒtenfrĂŒhling zu halten
der Wunsch verschont zu bleiben
taugt nicht
Es taugt die Bitte
dass bei Sonnenaufgang die Taube
den Zweig vom Ölbaum bringe
dass die Frucht so bunt wie die Blume sei
dass noch die BlÀtter der Rose am Boden
eine leuchtende Krone bilden
und dass wir aus der Flut
dass wir aus der Löwengrube
und dem feurigen Ofen
immer versehrter und immer heiler
stets von neuem
zu uns selbst
entlassen werden.

Aus Hilde Domin, dies., Gesammelte Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010, S. 181.


In Momenten, in denen der Wunsch nicht mehr taugt, greift einzig die Bitte – die Bitte, dass wir, was auch zustoßen möge, uns immer von Neuem selbst ergreifen dĂŒrfen. Johanna Lamprecht


Zeichnung von Philipp Tok

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Dhanyawaad

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