Behaupten, Belehren, Belustigen

Bei diesem Vortrag hatte ich geschwitzt wie bei keinem anderen. Im Naturhistorischen Museum Basel gab es eine Veranstaltungsreihe zur Astronomie und da wurde auch ich eingeladen, um ĂŒber das Wesen der Planeten zu sprechen.


Foto: Ramona Rehn, â€čDahinter ist davorâ€ș, Lochkamerafotografie, 2018

Was ich nicht wusste, war, dass die Zuhörenden ein Abo fĂŒr alle VortrĂ€ge gelöst hatten und nicht mit einer spirituell orientierten Betrachtung rechneten. WĂ€hrend meiner Rede bemerkte ich die Überraschung in den Gesichtern. Die meisten schienen einzusteigen, aber einige waren ĂŒberhaupt nicht angetan, so in der ersten Reihe ein Ă€lterer Herr. Er zeigte mir fortwĂ€hrend den Vogel. Wie reagieren? BegrĂŒnden! Plausibel machen! Mit mehr PhĂ€nomenen und mehr Konjunktiv versuchte ich den Opponenten mitzunehmen. Vergebens. Etwas angeschlagen sass ich spĂ€ter im MuseumscafĂ©. Da bekam ich vom Nachbartisch den Rat: «Wenn es so lĂ€uft, dann mĂŒssen Sie behaupten!» TatsĂ€chlich: eine Rede braucht den Standpunkt, so zeigt man, wo und fĂŒr was man steht. «In den Planeten und ihrem Lauf findet man die Weltenseele, – davon bin ich ĂŒberzeugt und darĂŒber forsche ich.» HĂ€tte ich so mich â€čgeoutetâ€ș, hĂ€tte der Kritiker vielleicht mitgehen können, denn er hĂ€tte hören können, dass ich mir bewusst bin, jetzt ohne Fallnetz zu sprechen. Bei meiner stromlinienförmigen HinfĂŒhrung fehlte ihm dieses «Hier-stehe-ich».

SpĂ€ter las ich bei Cicero, dem Meister der Rhetorik, dass eine Rede dreierlei beinhalten solle: die Behauptung, die Belehrung und die Belustigung. Das gilt noch heute, wobei die Belehrung jetzt nicht mehr von der Kanzel kommt, sondern gemeinsames Fragen bedeutet – hier sitzt der Zweifel, den man teilt, damit daraus gemeinsam Gewissheit wird.

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